Energetische Sanierung: PIR-Dämmplatten & WT 2021 in der Praxis
Energetische Sanierung – was sie ist und warum sie systemisch geplant werden sollte
In Polen gibt es rund 400.000 Gebäude, deren energetischer Standard verbessert werden muss; fast 46 % des mehrgeschossigen Wohnungsbestands erfüllen die aktuellen Anforderungen an den EP-Index nicht. Mit dem Inkrafttreten der technischen Bauvorschriften WT 2021 (polnische technische Bauvorschriften 2021) wurden die Grenzwerte des Wärmedurchgangskoeffizienten U für sämtliche Außenbauteile verschärft. Bauherren entscheiden sich daher zunehmend für eine komplexe energetische Sanierung – auf Basis eines Energieaudits, einer Materialauswahl mit niedrigem λD sowie der Eliminierung von Wärmebrücken. Eine Schlüsselrolle spielen dabei PIR-Polyurethan-Dämmplatten, die bei den niedrigsten verfügbaren Wärmeleitfähigkeitswerten eine vertretbare Bauteildicke ermöglichen.
Anforderungen der WT 2021 – Bezugspunkt für das Sanierungsprojekt
Nach dem aktuellen Wortlaut der technischen Bauvorschriften (gültig seit dem 1. Januar 2021) müssen Außenbauteile folgende maximale U-Werte erreichen:
| Bauteil | Umax [W/m²K] |
|---|---|
| Dach, Flachdach | 0,15 |
| Außenwand | 0,20 |
| Geschossdecke über Keller / unbeheizter Garage | 0,25 |
| Erdberührte Bodenplatte | 0,30 |
In Bestandsgebäuden zwingt das Erreichen dieser Werte mit Standardmaterialien (EPS 0,038, Mineralwolle 0,036) zu Dämmdicken von 20–25 cm an der Wand und 30+ cm auf dem Dach. In der Praxis ist dies – angesichts vorhandener Dachüberstände, Brüstungen, Fensterlaibungen und Geschosshöhen – häufig nicht umsetzbar. Hier kommt das Argument für PIR ins Spiel: das deklarierte λD von termPIR® AL liegt bei 0,022 W/(m·K) und erlaubt denselben Wärmedurchlasswiderstand R bei einer um etwa 40 % geringeren Dicke.
Energieaudit und Hierarchie der Maßnahmen
Das Energieaudit (erstellt gemäß der Verordnung zu Energieaudits) weist den EP-Index aus, identifiziert die größten Verlustquellen (Wärmebrücken an Eckverbindungen, Attiken, Laibungen, Ringankern) und legt die Reihenfolge der Arbeiten fest. Die übliche Hierarchie in der energetischen Sanierung eines Gebäudes lautet:
- Dämmung der Außenbauteile – Wände, Dach, Flachdach, erdberührte Bodenplatte, Fundamente.
- Austausch der Fenster und Türen (Uw ≤ 0,9 W/m²K für Fenster).
- Modernisierung der Wärmeerzeugung – Wärmepumpe, Brennwert-Gaskessel, Verzicht auf Festbrennstoffe.
- Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (>85 % Wirkungsgrad).
- Erneuerbare Energien – Photovoltaik, Solarkollektoren, Energiespeicher.
Die Reihenfolge ist nicht zufällig: Die Installation einer Wärmepumpe in einem ungedämmten Gebäude ist eine kontraproduktive Investition, weil das Gerät außerhalb seines optimalen Leistungspunkts arbeitet. Daher steht die thermische Hülle des Gebäudes an erster Stelle.
Auswahl von PIR-Platten für die einzelnen Bauteile
Ein zentraler Planungsfehler in der energetischen Sanierung ist die Auswahl einer „universellen” PIR-Platte – ohne Differenzierung nach Deckschicht und Stoßausbildung. Dabei stellt jedes Bauteil eigene Anforderungen an Dampfdurchlässigkeit, Feuchtebeständigkeit und Kompatibilität mit der Endbeschichtung.
Außenwand im WDVS
Im Wärmedämmverbundsystem (WDVS – Dünnputz auf Armierungsgewebe) dürfen keine Platten mit Aluminium-Deckschicht verwendet werden (die Al-Folie ist gasdicht, blockiert die Wasserdampfdiffusion und trennt den Putz vom Untergrund ab). Die dafür vorgesehene Lösung ist termPIR® ETX – mit Glasvlies, dampfdurchlässig, mit Europäischer Technischer Bewertung ETA 17/0066 für WDVS. λD = 0,025–0,027 W/(m·K). Den Schichtaufbau beschreibt das System Außenwand WDVS – termPIR® ETX.
Schrägdach und Flachdach
Für das Schrägdach ist die Dämmung termPIR® aufsparrig optimal – sie eliminiert Wärmebrücken an den Sparren und ermöglicht U ≤ 0,15 W/m²K bei einer Dicke von 14–16 cm. Bei Holzflachdächern mit extremen Dickenbeschränkungen ist termPIR® MAX 19 AL (λD = 0,019) eine prüfenswerte Option.
Fundament, Sockel, erdberührte Bodenplatte
Im Sockel- und Fundamentbereich ist eine erhöhte Feuchtebeständigkeit erforderlich – hierfür ist termPIR® WS vorgesehen. Den Standardaufbau zeigt das System Fundament und Sockel – termPIR® AL.
Innendämmung in denkmalgeschützten Objekten
Wenn die Fassade nicht verändert werden darf (denkmalgeschützte Gebäude, Stadthäuser mit Fassadendetails), kommt die Innendämmung mit dem Verbundelement termPIR® AL/GK zum Einsatz – PIR mit werkseitig verbundener Gipskartonplatte und Aluminiumfolie als Dampfsperre. Anwendungsdetails: System Denkmalgeschützte Wand – termPIR® AL/GK.
PIR-Dicken und erreichbare U-Werte
Als Planungsorientierung – U-Werte für eine gemauerte Wand aus Kalksandstein 18 cm (U ohne Dämmung ≈ 1,4 W/m²K) mit termPIR® ETX gedämmt:
| PIR-Dicke [mm] | Riz [m²K/W] | U gesamt [W/m²K] |
|---|---|---|
| 80 | 3,08 | 0,28 |
| 100 | 3,85 | 0,23 |
| 120 | 4,62 | 0,19 |
| 140 | 5,38 | 0,17 |
| 160 | 6,15 | 0,15 |
Zur Erfüllung der WT 2021 (U ≤ 0,20 W/m²K) genügen 12 cm termPIR® ETX. Zum Vergleich – mit EPS 0,038 wären ca. 18 cm erforderlich.
Finanzierung der energetischen Sanierung
Auf dem polnischen Markt existieren parallel:
- Sanierungssteuerermäßigung (ulga termomodernizacyjna) – Abzug von der Bemessungsgrundlage bis 53.000 PLN je Steuerpflichtigem (PIT-36, PIT-37, PIT-28), Ausgaben für Materialien und Leistungen gemäß Verordnung des Ministeriums für Infrastruktur und Entwicklung.
- Programm „Czyste Powietrze” (Saubere Luft) – Zuschüsse und Darlehen für Einfamilienhäuser, Budget bis 2029 rund 103 Mrd. PLN.
- Fonds für energetische Sanierung und Renovierung der BGK (Fundusz Termomodernizacji i Remontów) – Sanierungsprämie für Mehrfamilienhäuser und öffentliche Gebäude.
- Stop Smog – für Gemeinden mit Anti-Smog-Beschlüssen.
Die Wahl des Finanzierungswegs wird durch das Audit bestimmt – in einigen Programmen ist eine Mindestreduktion des Energiebedarfs erforderlich (z. B. 25 % für die Sanierungsprämie).
FAQ – häufig gestellte Fragen
Welche U-Werte der Bauteile fordern die aktuellen Vorschriften?
Es gelten die technischen Bauvorschriften WT 2021 (seit dem 1. Januar 2021). Die maximalen U-Werte betragen: 0,20 W/m²K für die Außenwand, 0,15 W/m²K für Dach und Flachdach, 0,25 W/m²K für die Geschossdecke über unbeheizten Räumen und 0,30 W/m²K für die erdberührte Bodenplatte. Diese Werte gelten sowohl für Neubauten als auch für sanierte Bauteile, sofern der Arbeitsumfang den Austausch oder die Ergänzung der Dämmschicht umfasst.
Dürfen Platten mit Aluminium-Deckschicht im WDVS eingesetzt werden?
Nein. Die Aluminiumfolie ist dampfdicht, was beim Dünnputz zur Kondensation des Wasserdampfes und zur Ablösung der Armierungsschicht führt. Für WDVS ist die Platte termPIR® ETX mit beidseitigem Glasvlies vorgesehen, dampfdurchlässig und mit Europäischer Technischer Bewertung ETA 17/0066. Der Einsatz von AL-Platten im WDVS ist ein typischer Ausführungsfehler, der zu Reklamationen führt.
Wie viele Zentimeter PIR werden auf dem Dach benötigt, um die WT 2021 zu erfüllen?
Für U ≤ 0,15 W/m²K bei λD = 0,022 W/(m·K) beträgt die erforderliche PIR-Dämmdicke etwa 14–16 cm (abhängig von den weiteren Konstruktionsschichten – Schalung, Dampfsperre, Eindeckung). In der Premium-Variante termPIR® MAX 19 AL (λD = 0,019) genügen 12–13 cm. Das ist deutlich weniger als bei Mineralwolle, wo die entsprechende Dicke 24–26 cm beträgt.
Ist die Innendämmung sicher?
Ja, sofern ein System mit Dampfsperre auf der warmen Seite eingesetzt und das Risiko der Zwischenschichtkondensation berechnet wird (Glaser, WUFI). Die dafür vorgesehene Lösung ist das Verbundelement termPIR® AL/GK – PIR mit Aluminiumfolie (Dampfsperre) und werkseitig verbundener Gipskartonplatte. Der Aufbau minimiert die Dicke (geringerer Verlust an Nutzfläche) und erlaubt unmittelbar nach der Montage die Endbeschichtung mit Gipsputz oder Farbe. Eingesetzt in Stadthäusern und denkmalgeschützten Objekten.
Was sollte ein Energieaudit vor der Sanierung enthalten?
Ein Energieaudit gemäß der Verordnung des Ministers für Infrastruktur umfasst die technische Bestandsaufnahme des Gebäudes, die Berechnung des EP-Index im Ist-Zustand, die Analyse von mindestens drei Verbesserungsvarianten, die Auswahl der wirtschaftlich optimalen Variante (NPV, SPBT – einfache Amortisationszeit), eine Materialliste mit Parametern sowie einen Zeitplan der Arbeiten. Das Audit ist ein Pflichtdokument bei der Beantragung der Sanierungsprämie und der meisten Zuschüsse.
Planen Sie die energetische Sanierung eines Einfamilienhauses, Mehrfamilienhauses oder Gewerbeobjekts? Kontaktieren Sie das technische Team von BOKKA – wir helfen bei der Auswahl von PIR-Plattentyp, Dicke und Montagesystem für das jeweilige Bauteil und die Anforderungen der WT 2021. Das vollständige Angebot finden Sie im Katalog der PIR-Dämmplatten.