Euroklassen des Brandverhaltens A1/A2/B/C/D/E/F — was sie in der Planungspraxis bedeuten
„Was bedeutet B-s1 d0?”
Die Brandverhaltensklasse besteht aus zwei oder drei Elementen:
B - s1 - d0
↑ ↑ ↑
│ │ └─ brennendes Abtropfen (d)
│ └────── Rauch (s = smoke)
└─────────── Hauptklasse der Brennbarkeit (A1...F)
Die vollständige Klassifizierung nach EN 13501-1 umfasst 42 Kombinationen für Bauprodukte außerhalb von Bodenbelägen. Für die meisten Materialien begegnen Ihnen einige Standardkombinationen:
- A1 (nicht brennbar, ohne Indizes)
- A2-s1 d0 (praktisch nicht brennbar, geringe Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen)
- B-s1 d0 (schwer entflammbar, geringe Rauchentwicklung, kein Abtropfen)
- B-s2 d0 (schwer entflammbar, mittlere Rauchentwicklung, kein Abtropfen)
- C, D (selten bei modernen Materialien)
- E (typisch für Dämmstoffe wie PIR, EPS)
- F (am schlechtesten — ohne Deklaration, erfüllt kein Kriterium)
In diesem Text zeigen wir, was jede dieser Klassen in der Praxis bedeutet und wann der Planer welche wählen muss.
Hauptklasse (A1, A2, B, C, D, E, F)
Die Hauptklasse sagt aus, wie sich das Material als Brennstoff verhält in der ersten Phase eines Brandes. Geprüft wird es im Konuskalorimeter + zusätzlichen Tests (SBI — Single Burning Item, für größere Proben).
A1 — nicht brennbar
Was es bedeutet: Das Material brennt überhaupt nicht. Kein Energiebeitrag zum Brand. Üblicherweise anorganisch: Stein, Beton, Keramik, Stahl, Glas, Mineralwolle (Basaltwolle).
Beispiele BOKKA:
- Keine — alle unsere PIR-Dämmstoffe sind mindestens Klasse E
Typische Vertreter: Steinwolle (Rockwool, Paroc), Ziegel, Beton, Glas, Stahlblech.
Wann erforderlich: Gebäude mit höchster Feuerwiderstandsklasse (Klasse „A” — höchste Anforderungen), Tragwerkselemente in kritischen Objekten (Krankenhäuser, Flughäfen, Tunnel).
A2-s1 d0 — praktisch nicht brennbar
Was es bedeutet: Geringe Menge organischer Beimischung (z. B. Bindemittel in der Glaswolle). Das Material unterhält den Brand nicht, vergrößert ihn nicht wesentlich.
Beispiele BOKKA:
- GS MW QA S/U/CH (Sandwichpaneel mit Mineralwollkern + Stahldeckschicht) — A2-s1 d0
Typische Vertreter: Glaswolle mit Bindemittel (Isover, Knauf Insulation), einige Gipskartonplatten (GKF), Porenbeton.
Wann erforderlich: Trennwände in Gebäuden der Klasse „B”, einige hohe Fassaden >25 m.
B-s1 d0 — schwer entflammbar
Was es bedeutet: Das Material weist eine deutliche Verzögerung der Entzündung und eine niedrige Wärmefreisetzung während des Brandes auf. Entzündung nur in einem sehr intensiven Feuer.
Beispiele BOKKA:
- termPIR® ETX im ETICS-System (PIR + Zementputz) — Klassifizierung des Systems B-s1 d0 nach ETA 17/0066
- GS insPIRe S/U/CH/D im System (PIR-Sandwichpaneel + Stahldeckschicht) — Klassifizierung in der Regel B-s2 d0 oder B-s1 d0 (je nach Dicke und Konfiguration)
Typische Vertreter: mit Brandschutzimprägnierungen modifiziertes Holz, Spezialgipse (GKFI), einige mineralische Putze.
Wann erforderlich: sehr häufig in modernen Gewerbeobjekten. Die meisten Fassaden erfordern mind. B-s2 d0 für Gebäude über 12 m.
C, D — Zwischenklassen
Was es bedeutet: Die Materialien begünstigen die Brandausbreitung, jedoch in begrenztem Umfang.
Beispiele: einige nicht imprägnierte Harthölzer, einige thermoplastische Kunststoffe.
Praktische Anwendung: selten als Planungsvorgabe anzutreffen. Die meisten Projekte erfordern entweder B+ oder akzeptieren E.
E — entflammbar
Was es bedeutet: Das Material entzündet sich leicht, verursacht jedoch keinen Vollbrand (Flashover). Nach Entfernung der Flammenquelle erlischt es.
Beispiele BOKKA:
- Praktisch alle unsere PIR-Platten (termPIR® AL, ETX, WS, AGRO AL, MAX 19, PRIME, Pro-F) — Klasse E für Dicken 50–250 mm
- izoGRASS® (reines PIR ohne Deckschicht) — Klasse E für 30–250 mm
Typische Vertreter: Styropor EPS und XPS, die meisten Polyurethanschäume (PUR, PIR), einige Weichhölzer.
Wann akzeptabel: die meisten Dämmanwendungen, bei denen der Dämmstoff eingebaut ist (z. B. PIR in der ETICS-Schicht, mit Putz überdeckt). Der Putz + die Systemstruktur ergeben eine höhere Klasse.
F — ohne Eigenschaften
Was es bedeutet: Das Material erfüllt die Kriterien der Klasse E nicht. Das heißt: Es entzündet sich blitzschnell, unterhält den Brand, verursacht Flashover. Keine deklarierte Klasse = in der Praxis die Kategorie „darf im Bauwesen nicht verwendet werden”.
Beispiele BOKKA:
- termPIR® AL in der Dicke 20–49 mm (dünne Varianten) — formal Klasse F
- Grund: Dünne PIR-Schäume haben eine geringere thermische Stabilität → entzünden sich in Tests schneller
Praktische Implikationen: Für dünne Dicken (warme Zusatzdämmung, Streifen für Laibungen) ist die Klasse F im Einbau akzeptabel (mit Putz, Blech, Holz abgedeckt). Sie eignen sich nicht als sichtbare Dämmung.
Rauchindex (s — smoke)
s1, s2, s3
↑ ↑ ↑
│ │ └─ starke Rauchentwicklung (am schlechtesten)
│ └────── mittlere
└────────── geringe (am besten)
Gemessen mit dem SBI-Test — wie viel Rauch das Material beim Verbrennen erzeugt.
| Klasse s | Bedeutung | Was das für das Projekt bedeutet |
|---|---|---|
| s1 | Geringe Rauchentwicklung | Die meisten Fluchtwege sind selbst im Brand sichtbar |
| s2 | Mittlere | Akzeptabel für die meisten Objekte |
| s3 | Hohe | Nicht empfohlen für Versammlungsobjekte (ZL) mit vielen Menschen |
Praxis: Für Gebäude mit Menschen (Wohn-, Büro-, öffentliche Nutzung) ist s1 oder s2 erforderlich. Für Lager / Produktion ohne Menschen (PM-Klasse „D”/„E”) ist s3 akzeptabel.
Index des brennenden Abtropfens (d — droplets)
d0, d1, d2
↑ ↑ ↑
│ │ └─ brennendes Abtropfen über lange Zeit (am schlechtesten)
│ └────── brennendes Abtropfen über kurze Zeit (max 10 s)
└────────── kein brennendes Abtropfen (am besten)
Es wird gemessen, ob das Material in brennenden Fragmenten abfällt während des Brandes — die niedrigere Stockwerke entzünden, benachbarte Elemente in Brand setzen, Menschen unter dem Element verletzen können.
| Klasse d | Bedeutung | Praxis |
|---|---|---|
| d0 | Kein brennendes Abtropfen | Decken über Fluchtwegen, hohe Fassaden |
| d1 | Kurzzeitig (max 10 s) | Akzeptabel für die meisten Objekte |
| d2 | Langanhaltend oder beständig | Nur für Räume ohne Menschen |
Praxis: Für Fassaden hoher Gebäude (über 12 m) ist d0 erforderlich — kein Material an der Fassade darf in brennenden Stücken abfallen (es könnte darunter stehende Autos in Brand setzen, Menschen auf dem Gehweg verletzen).
Klassifizierung je Gebäudeelement (Kurzfassung WT 2021)
| Gebäudeelement | Erforderliche Klasse (typisch) |
|---|---|
| Tragwerk (Stützen, Träger) | A1 (Stahl, Beton) |
| Innere Trennwände | A2-s1 d0 oder B-s1 d0 (je nach Gebäudeklasse) |
| Abgehängte Decken (Fluchtwege) | A2-s1 d0 |
| Abgehängte Decken (Räume) | B-s2 d0 |
| Fassaden von Gebäuden >12 m | B-s3 d0 (mit d0 zwingend) |
| Fassaden von Gebäuden <12 m | C-s3 d0 oder D |
| Dacheindeckungen | BROOF(t1) — separate Klassifizierung |
| Bodenbeläge in Fluchtwegen | CFL-s1 (spezielle Klasse für Böden) |
Prüfen Sie die konkreten Anforderungen Ihres Projekts im Brandschutzkonzept (Teil des Bauprojekts).
Klassifizierungs-Tricks — System vs. Material
Wichtig: Die Klasse eines einzelnen Materials ist NICHT die Klasse des Systems. Beispiel:
- termPIR® AL für sich allein: Klasse E
- termPIR® AL im ETICS-System: Klasse B-s1 d0 (5 mm Zementputz schützt das PIR vor Entzündung)
- termPIR® AL mit 2× Gipskartonplatte: Klasse A2-s1 d0 im System (GK schirmt das PIR ab)
Deshalb deklarieren Hersteller oft die „Klasse im System” + die „Klasse des Materials selbst” getrennt. Für das Projekt zählt die Klasse des Systems (wie sich das Material in der Anwendungskonfiguration verhält).
Zitat aus der DoP termPIR® AL:
Brandverhaltensklasse: F (20–49 mm) / E (50–250 mm) — für das nicht eingebaute Material. Systemklasse: B-s1 d0 in Gipskarton-Verkleidungen, B-s2 d0 im System mit Trapezblech.
Häufigste Fehler von Planern
Fehler 1 — Materialklasse = Elementklasse
Der Planer schreibt: „Trennwand aus PIR — Klasse E nicht akzeptabel, das Projekt erfordert B”. Falsch: PIR allein hat Klasse E, aber eine Wand aus 2× GK + PIR hat Klasse B-s1 d0 oder besser. Es zählt das System, nicht die einzelne Schicht.
Fehler 2 — Auslassen der Indizes s und d
Das Projekt schreibt nur „Klasse B” → der Ausführende kann B-s3 d2 verwenden (die schlechtesten Varianten von B). Der Inspektor der Feuerwehr (PSP) kann es beanstanden. Geben Sie immer das vollständige Format an: B-s1 d0, B-s2 d0 usw.
Fehler 3 — Vermischen der Klassen nach EN 13501-1 mit REI/EI
Brandverhaltensklasse (A1-F) ≠ Feuerwiderstand (REI/EI). Das sind zwei verschiedene Klassifizierungen:
- Reaktion = wie sich das Material entzündet
- Widerstand = wie lange das Bausystem dem Brand standhält
Mehr in: EI 120 aus einem Sandwichpaneel — unter welcher Bedingung?
Fehler 4 — Auslassen der Tests für dünne Dicken
PIR 30 mm hat die Klasse F (niedriger als 100 mm). Der Planer schreibt „PIR Klasse E” → auf der Baustelle verwendet jemand 30 mm → Klasse formal F → Abnahme gestoppt.
Abhilfe: Geben Sie immer Dicke + Klasse an (z. B. „termPIR® AL ≥50 mm, Klasse E”).
Fehler 5 — Verwechseln von BROOF mit der Brandverhaltensklasse
BROOF (B am Anfang) ist keine Brandverhaltensklasse! BROOF ist die Klassifizierung des Daches gegen Feuer von außen (separate Norm EN 13501-5). Manche denken, dass BROOF(t1) = Klasse B des Brandverhaltens. Nein.
Klassen typischer Materialien (Spickzettel)
| Material | Brandverhalten (typische Klasse) |
|---|---|
| Steinwolle (Rockwool) | A1 |
| Glaswolle (Isover) | A1 |
| Porenbeton | A1 |
| Standard-Gipskartonplatte (Knauf, Rigips) | A2-s1 d0 |
| Feuerschutz-Gipskartonplatte (GKF, DFH1IR) | A1 oder A2-s1 d0 |
| Strukturell verklebtes Holz | D-s2 d0 |
| Mit Brandschutzimprägnierung modifiziertes Holz | B-s1 d0 |
| termPIR® AL / ETX / WS / Pro-F (50+ mm) | E (Material) / B-s1 d0 oder B-s2 d0 (System) |
| termPIR® AL dünn (20-49 mm) | F (Material) — nur im Einbau |
| EPS (Styropor) | E (mit Brandschutzmodifikatoren) oder F (gewöhnlich) |
| XPS (extrudiertes Styropor) | E |
| GS MW QA (Mineralwolle-Sandwichpaneel) | A2-s1 d0 |
| GS insPIRe (PIR-Sandwichpaneel) | B-s2 d0 oder B-s1 d0 im System |
| izoGRASS® (reines PIR ohne Deckschicht) | E für 30+ mm |
Was BOKKA bietet
Vollständige Dokumentation der Brandverhaltensklassen im Paket mit jeder Lieferung:
- DoP mit der Materialklasse (z. B. termPIR AL: E 50+ mm / F 20-49 mm)
- Systemklassifizierung (z. B. ETA 17/0066 für termPIR ETX im ETICS: B-s1 d0)
- Klassifizierungsbericht von einer notifizierten Stelle für die konkrete Konfiguration (REI, BROOF, Endanwendungsklasse)
Wenn das Projekt eine konkrete Klasse erfordert, die unser Produkt in einem bestimmten System erreichen kann — senden wir Ihnen das vollständige Dokumentenpaket + beraten Sie bei der Auswahl der Konfiguration.
🤝 Kostenlose technische Beratung BOKKA — wir helfen bei der Produktauswahl und der kompletten Dokumentation für Ihr Projekt.
FAQ
Ist die Klasse A1 „besser” als B-s1 d0? Im Kontext der Nichtbrennbarkeit — ja. Aber für die meisten Bauanwendungen ist B-s1 d0 ausreichend, und die Vorschriften akzeptieren es. Die Klasse A1 ist nur für die anspruchsvollsten Elemente erforderlich (Tragwerk, Fluchtwege von Gebäuden der Klasse „A”).
Darf man ein Material der Klasse E überhaupt verwenden? Ja, im entsprechenden Einbau. Die meisten PIR-/EPS-Dämmungen in Polen haben Klasse E. Mit Zementputz oder Schutzverkleidungen abgedeckt — erreicht das System Klasse B+ und kann allgemein verwendet werden.
Ändern sich die Klassen mit der Zeit? Nicht wesentlich. Die Klasse ist eine chemische Eigenschaft des Materials. Geringe Alterung (z. B. Oxidation der Holzoberfläche) kann minimal Einfluss nehmen, ändert aber unter typischen Bedingungen die Klasse nicht von B auf D.
Ist die Klasse BROOF(t1) eine Klasse B des Brandverhaltens? NEIN. Das sind separate Klassifizierungen. BROOF betrifft das Dach gegen Feuer von außen (Norm EN 13501-5). Die Brandverhaltensklasse (A1-F) betrifft das Material gegen Feuer von innen (Norm EN 13501-1).
Was bedeutet „Endanwendungsklasse” in der Klassifizierung? Das ist die Klasse des Systems in der realen Anwendung. Z. B. termPIR® AL mit 2× GK 12,5 mm in einer Trennwand → Endanwendungsklasse A2-s1 d0. Ohne GK wäre es E. Die Endanwendungsklasse = das System des eingebauten Materials in der Zielanordnung.
Muss man für ein Einfamilienhaus die Brandverhaltensklassen prüfen? Ja, aber die Anforderungen sind milder als für Gewerbeobjekte. Die meisten in Baumärkten erhältlichen Materialien (PIR, EPS, Wolle) erfüllen die Anforderungen für Einfamilienhäuser. Prüfen Sie konkret im Brandschutzkonzept (in der Regel ist Klasse E oder besser für die meisten Elemente erforderlich).
Zusammenfassung
| Klasse | Was sie bedeutet | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| A1 | Nicht brennbar | Tragwerk, kritischste Elemente |
| A2-s1 d0 | Praktisch nicht brennbar | Hohe Trennwände, Decken über Fluchtwegen |
| B-s1 d0 | Schwer entflammbar, geringer Rauch | Die meisten Fassaden, abgehängte Decken |
| B-s2 d0 | Schwer entflammbar, mittlerer Rauch | Standard-ETICS-Systeme |
| C, D | Zwischenklassen | Selten als Spezifikation anzutreffen |
| E | Entflammbar, verursacht aber keinen Flashover | Dämmung im Einbau (PIR, EPS) |
| F | Ohne Deklaration | Nur im vollständig geschützten Einbau |
Grundregel des Planers: Achten Sie auf die Klasse des Systems in der Zielkonfiguration, nicht auf das einzelne Material. Prüfen Sie das vollständige Format der Klassifizierung (Klasse + s + d). Im Zweifelsfall — fordern Sie einen Klassifizierungsbericht von einer notifizierten Stelle.
🤝 Kostenlose technische Beratung BOKKA — wir helfen bei der Produktauswahl und der kompletten Dokumentation für Ihr Projekt.
Quellen:
- PN-EN 13501-1:2018 — Klassifizierung von Bauprodukten zum Brandverhalten — Reaktion auf Feuer
- Verordnung des Infrastrukturministers über die technischen Bedingungen — Abschnitt VI
- DoP-Datenblätter der Hersteller (Gór-Stal, Rockwool, Isover)
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