Kantteile für Sandwichplatten — Detailkarte vom Sockel bis zum First
Montag, kurz nach acht. Sie öffnen die Halle nach dem Wochenende und sehen auf dem Boden eine dunkle Spur — genau unter dem First. Nachts war es windig, mit Schlagregen. Das Dach ist zwei Jahre alt, die Platten sind in Ordnung, der Monteur schwört, er habe alles vorschriftsmäßig verschraubt. Und wahrscheinlich hat er das. Nur: Eine Hülle aus Sandwichplatten leckt fast nie durch die Platte. Sie leckt durch die Details.
Diese Details sind die Kantteile für Sandwichplatten — aus Blech gekantete Tropfbleche, Eckwinkel, Ortgangbleche und Firstkämme. In diesem Artikel gehen wir das Gebäude Zone für Zone durch, vom Sockel bis zum First, mit Namen und Codes der Elemente direkt aus dem technischen Katalog des Herstellers.
Wozu überhaupt ein Kantteil, wenn die Platte doch eine Verriegelung hat?
Die Nut-Feder-Verbindung der Platte dichtet den Längsstoß ab — und das gut. Aber ein Gebäude besteht nicht nur aus Längsstößen. Es hat Ecken, Dachkanten, Öffnungen für Tore und Fenster, die Stelle, an der die Wand auf das Fundament trifft. An jeder dieser Stellen enden die Deckschichten der Platten, und der Kern liegt frei.
Das Kantteil leistet an diesen Stellen vier Dinge auf einmal. Es führt das Wasser — wie eine Miniaturrinne, exakt für das jeweilige Detail profiliert. Es schließt den Stoß gegen den Wind, der an einer Wand den Regen nach oben drücken kann, entgegen der Schwerkraft. Es schützt die Dichtungen vor der Sonne — UV-Strahlung lässt freiliegenden Schaum und Dichtmassen mit der Zeit verspröden. Und erst ganz am Ende verdeckt es die Verbindungsmittel und Schnittkanten, damit das Ganze so aussieht, wie es soll.
Gut gewählte Kantteile für Sandwichplatten sind deshalb kein Zusatzkostenpunkt, sondern Teil des Bauteils. Der Leitfaden zum Bau einer Halle aus Sandwichplatten behandelt sie ohnehin als festen Posten jedes Angebots.
Sockel — hier beginnt die Montage, und hier beginnen die Probleme
Die erste Wandplatte steht auf dem Sockel, also beginnt die ganze Arbeit mit diesem Detail. Das an der Fassade ablaufende Wasser muss vor den Sockel abgeworfen werden — dafür ist das Sockeltropfblech OB-13 da, manchmal ergänzt durch das Wandtropfblech OB-10. Von innen schließt ein Abdeckblech (OB-08 oder OB-09) den Stoß zwischen Platte und Sockelschwelle, und unter der Platte arbeiten die Dichtungen: selbstklebendes Polyethylenband auf der Konstruktion und eine imprägnierte Polyurethandichtung oder Schaum am Stoß mit der Sockelschwelle.
Bei horizontal verlegten Platten kommt noch ein Element hinzu: das Startprofil — Z-Profil OB-38 (für Platten insPIRe S), OB-39 (für insPIRe U) oder C-Profil OB-42. Es nivelliert die erste Platte und hält ihre Unterkante. Ein schief gesetztes Startprofil zeichnet sich später an jeder Platte darüber ab, bis hinauf zur Traufe.
Der Sockel ist auch in Kühlobjekten ein kritisches Detail — dort kommen noch Kondensation und Hygiene ins Spiel. Wir zerlegen ihn separat im Artikel über Sockeldetails in Kühl- und Tiefkühlhäusern.
Ecken — wo der Wind nach Spalten sucht
In der Ecke treffen zwei Platten mit ihren Schnittkanten aufeinander. Von außen schließt sie die Außenecke OB-01 oder die breitere OB-03, die zugleich die Verbindungsmittel verdeckt; von innen — die Innenecke OB-02. Der Katalog sieht auch Varianten für Ecken mit beliebigem Winkel vor, denn nicht jede Halle ist ein Rechteck.
Ein wichtiges Detail: Ein Eckblech ohne Füllung darunter ist nur Dekoration. Die Knoten des Herstellers zeigen darunter konsequent eine imprägnierte Polyurethandichtung oder Montageschaum. Das Blech hält den Regen auf, die Dichtung den Wind — Sie brauchen beides.
Traufe — geben Sie das Wasser an die Rinne ab, bevor es unter die Platte schaut
An der Unterkante der Dachfläche wird das Wasser des gesamten Dachs an die Rinne übergeben. Der Katalog zeichnet zwei Varianten dieses Details. In der ersten wird die Kante der Dachplatte schon in der Produktion unterschnitten — die obere Deckschicht ragt über die Rinne, und darunter arbeitet das Unterrinnen-Z-Profil OB-26. In der zweiten übernimmt diese Rolle das Unterrinnen-C-Profil OB-25 mit dem Rinnentropfblech OB-33. In beiden Varianten kann über der Rinne eine Schneefangbarriere OB-27 stehen, und die Stöße schließt Butylmasse — ein dauerplastischer Kitt, der nicht austrocknet wie gewöhnliches Silikon.
Die Traufe funktioniert nur so gut wie die Entwässerung des ganzen Dachs — Gefälle, Rinnen und Fallrohre, berechnet auf die Dachfläche. Dieses Thema zerlegen wir im Artikel über Gefälle und Entwässerung des Hallendachs.
Giebel und Ortgangblech — die Seitenkante der Dachfläche
Am Giebel endet die Dachfläche mit einer Kante parallel zum Gefälle. Sie wird vom Ortgangblech des Dachs geschlossen — OB-31 oder OB-32, je nach Variante — umgangssprachlich Windleiste genannt, denn vor allem dieses Element hält die Kante bei Sturm. Auf der Dachflächenseite ergänzt der Kamm OB-28 mit Profilfüller das Detail, und im Winkel zwischen Dach und Wand arbeitet die Ecke OB-02.
Der First ist nicht ein Kantteil. Es sind drei
Hier liegt das häufigste Missverständnis. Auf Fotos sieht der First wie ein einzelnes „Dächlein“ aus Blech aus. Im technischen Katalog besteht der Firstknoten eines Satteldachs aus drei Elementen, montiert in dieser Reihenfolge:
- unteres Firstblech OB-23 — von unten, schließt den First zum Halleninneren,
- Kammfirst OB-28 mit Profilfüller — auf beiden Dachflächen; der „Kamm“ ist exakt auf die Sicken der Dachplatte zugeschnitten und schließt jeden Trapezkanal einzeln,
- oberes Firstblech OB-22 — obenauf, deckt alles ab und verteilt das Wasser auf beide Dachflächen.
Warum so viel? Weil die Dachplatte ein Trapezprofil hat und jede Sicke ein offener Kanal ist, der direkt unter den First führt. Das obere Blech allein, auf solche „Buckel“ gelegt, lässt darunter eine Reihe von Öffnungen — eine Einladung für Schlagregen, Flugschnee und Vögel. Der Kamm mit Profilfüller schließt diese Kanäle, bevor das obere Blech überhaupt ins Spiel kommt. Wenn ein Ausführender den First als ein einziges Stück Blech kalkuliert, lohnt es sich nachzufragen, was genau er damit meint.
Attika — elegante Wand, anspruchsvolles Detail
Die Attika, also die über die Dachfläche hochgezogene Wand, ordnet den Baukörper der Halle und verbirgt das Dach vor Blicken. Sie hat aber ihren Preis: Das Wasser hinter der Attika kann nicht einfach über die Kante ablaufen — das Detail muss es auf die Dachfläche zurückführen. Der Katalog führt diesen Knoten separat entlang des Gefälles sowie am Anfang und Ende des Dachs, mit den Attikablechen OB-34 und OB-35, dem Abdeckblech der Dachfläche OB-29 und demselben Kamm OB-28 mit Profilfüller, den Sie schon vom First kennen.
Tor und Fenster — eine Öffnung muss eingefasst werden, nicht nur ausgeschnitten
Jede Öffnung in einer Plattenwand bedeutet unterbrochene Deckschichten und einen freiliegenden Kern am gesamten Umfang. Deshalb sind die Öffnungsknoten im Katalog so umfangreich.
Beim Tor erhält der Sturz ein Tropfblech (OB-10 oder OB-13), das Wasser vor die Öffnung abwirft, sowie ein Abdeckblech OB-20. Die seitlichen Pfosten schließt das Torblech OB-21. Der Raum um die Torkonstruktion wird bereits bei der Montage mit Wärmedämmung nachgerüstet — die Platte allein dämmt diese Stelle nicht.
Beim Fenster wird der volle Umriss eingefasst: über dem Fenster ein Tropfblech, unter dem Fenster die Fensterbank OB-37, gestützt auf die Versteifungsleiste OB-16, die Laibungsseiten — mit individuell angepassten Kantteilen. Eine Fensterbank ohne Versteifungsleiste federt unter der Hand und gibt mit der Zeit an den Stößen nach.
Dehnfugen — eine Fuge, die eine Fuge bleiben soll
Die Hülle arbeitet: Die Platten dehnen sich in der Sonne und schrumpfen im Frost, und die Konstruktion hat ihre eigenen Dehnfugen. An diesen Stellen dürfen die Platten nicht starr zusammengenäht werden — der Knoten sieht ein individuell gefertigtes Dehnfugenblech vor, abgedeckt mit dem Abdeckblech OB-17, mit bei der Montage ergänzter Dämmung. Das Blech überlappt, blockiert aber die Bewegung nicht. Mehr über die thermische Bewegung der Platten — einschließlich der Frage, warum die Farbe der Deckschicht hier eine Rolle spielt — im Artikel über die Montage von Sandwichplatten bei Hitze.
Reihenfolge von unten und Überlappungen — Wasser liest keine Pläne
Wasser folgt nur der Schwerkraft und dem Wind, also gibt es eine einzige Montageregel: von unten nach oben, das höhere Element überlappt das niedrigere. Wie Schuppen an einem Fisch. Dann läuft jeder Tropfen über die Oberseite der aufeinanderfolgenden Kantteile ab und findet nirgends eine Kante „gegen den Strich“.
Die Abschnitte der Kantteile werden mit abgedichteter Überlappung verbunden — auf dem Dach meist mit Butylband oder Butylmasse, an den Abschlüssen mit neutralem Silikon, das nicht mit der Blechbeschichtung reagiert. Am Blech selbst werden die Kantteile mit kurzen Blechschrauben oder Nieten befestigt — getrennt von den Hauptverbindungsmitteln, die die Platte an der Konstruktion verankern. Diese Rollenverteilung haben wir im Artikel über Zubehör und Befestigungen für Sandwichplatten aufgeschlüsselt.
OB-Codes, oder wie man den Herstellerkatalog liest
Alle Elemente aus diesem Artikel haben ihre Codes im technischen Katalog Gór-Stal 2025: von OB-01 (Außenecke) bis OB-42 (Start-C-Profil). Der Katalog enthält 89 gezeichnete Montageknoten — jeder zeigt den Schnitt des Details mit den Codes der Kantteile, der Art der Dichtungen und der Verbindungsmittel. Standard-Kantteile werden aus demselben beschichteten Blech gekantet wie die Deckschichten der Sandwichplatten, Farbe und Beschichtung stimmen also überein; Sonderteile entstehen nach Maßen von der Baustelle.
In der Praxis sieht das so aus: Sie nehmen Grundriss und Schnitte Ihres Gebäudes, finden im Katalog die Knoten, die darin vorkommen — Sockel, Ecken, Traufe, Giebel, First, Öffnungen, gegebenenfalls Attika und Dehnfugen — und schreiben die Codes daraus ab. So entsteht eine vollständige Bestellliste der Kantteile, bei der auf der Baustelle nichts „in der Wäsche herauskommt“. Wir kennen diese 89 Knoten in- und auswendig und gehen diesen Prozess täglich mit unseren Kunden durch.
🤝 Kontaktieren Sie einen technischen Berater von BOKKA — senden Sie uns die Pläne Ihres Objekts, und wir helfen Ihnen, den kompletten Satz Kantteile nach OB-Codes für Ihre Bestellung von Sandwichplatten zusammenzustellen.
Quellen:
- Technischer Katalog Gór-Stal 2025 — Montageknoten der Sandwichplatten GS insPIRe und Übersicht der Kantteile OB
- PN-EN 14509 — Selbsttragende Sandwich-Elemente mit beidseitigen Metalldeckschichten — Werkmäßig hergestellte Produkte — Spezifikationen
- Technische Datenblätter der Sandwichplatten GS insPIRe S/U/D (Gór-Stal)
Häufig gestellte Fragen
Wozu dienen Kantteile bei Sandwichplatten?
Was bedeuten die OB-Codes auf den Zeichnungen des Herstellers?
Aus welchen Elementen besteht der First eines Dachs aus Sandwichplatten?
In welcher Reihenfolge werden Kantteile montiert?
Müssen die Kantteile vom Plattenhersteller stammen?
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